The Baboon Show | 29.01.2026 | Schlachthof Bremen
Dieses Foto hätte es eigentlich nicht geben dürfen. Geplant war ein anderer Moment. Eine andere Person. Ein klarer Ablauf. Und trotzdem ist genau dieses Bild am Ende das stärkste des Abends geworden – improvisiert, unperfekt, aber psychologisch wirksam. In diesem Artikel nehme ich dich mit in den Fotograben (der keiner war), erkläre meine technischen Abwägungen zwischen mechanischem und elektronischem Verschluss und zeige dir, warum meine Ausbildung zum Social Media Manager meine Bildauswahl heute radikaler beeinflusst als jede Kamera-Einstellung.
Die Psychologie der Planung: Wenn Tipps zum Tunnelblick führen
Einen Tag vor dem Konzert erreichte mich eine Nachricht auf Instagram. Ein Follower, der die Band am Vorabend in Kiel gesehen hatte, gab mir den ultimativen Insider-Tipp: „Song fünf. Cecilia springt von der Bassdrum.“
Als Konzertfotograf sind solche Informationen Fluch und Segen zugleich. Einerseits erlauben sie es dir, dich rechtzeitig zu positionieren. Andererseits erzeugen sie eine gefährliche Erwartungshaltung. Du hörst auf, das Konzert als Ganzes zu sehen, und wartest nur noch auf diesen einen Bruchteil einer Sekunde. Dein Blick verengt sich auf die Bassdrum.
In der Kesselhalle des Schlachthofs Bremen wird dieser Tunnelblick zur echten Herausforderung. Hier gibt es keine schützende Barriere, keinen Sicherheitsabstand. Du stehst mittendrin. Der Bass drückt gegen dein Brustbein, verschwitzte Körper schieben dich zur Seite, und das Risiko, ein fliegendes Bier oder ein Mikrofonstativ abzubekommen, ist dein ständiger Begleiter.

Die Dynamik des Augenblicks
Als der besagte fünfte Song begann, stieg mein Puls. Ich hatte mir mühsam einen Winkel erarbeitet, von dem aus ich die Bassdrum im Visier hatte. Doch die Realität einer Punk-Show schert sich nicht um deine Planung. Simon Dahlberg, der Gitarrist der Baboon Show, machte die Bühne zu seinem Wohnzimmer. Er tanzte, wirbelte und blockierte mir permanent die Sicht auf Cecilia.

Anstatt frustriert zu reagieren, entschied ich mich für den SMM-Ansatz (Social Media Management): Interaktion vor Komposition. Ich wich nicht zurück, sondern ging noch dichter ran. Ich hielt ihm das 24-70mm fast vor die Nase. Es entstand ein stilles Einverständnis zwischen Musiker und Fotograf. Er gab mir die Energie, ich gab ihm den Raum.