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Ich war auf dem Weg zur Leica

Ich war auf dem Weg zur Leica

Aber hinter der nächsten Kurve wartete etwas anderes auf mich!

Irgendwann fängst du an zu rechnen.

Welcher Film, wie viele Bilder noch auf der Rolle, wann komme ich zum Entwickeln. Du nimmst die Kamera also nicht mit. Nicht zum Konzert, nicht zum Spaziergang, nicht wenn es sich nicht wirklich lohnt. Irgendwann weißt du nicht mehr genau wann das passiert ist – dieses Abwägen, ob ein Moment es wert ist aufgeschrieben zu werden.

Dabei war das nie der Plan.

Jahrelang habe ich mit analogen Kameras fotografiert. Zuletzt immer häufiger mit meiner Leica M3: 70 Jahre alt und eine rein mechanische Kamera: kein Autofokus, keine Elektronik. Sie hat mich gezwungen langsamer zu werden. Jede Aufnahme hatte Gewicht – nicht weil ich sentimental bin, sondern weil 36 Bilder endlich sind. Ich habe aufgehört, Momente zu sammeln. Ich habe angefangen, sie zu beobachten.

Das war gut. Das war sehr gut.

Aber irgendwann merkte ich: das Werkzeug fing an, die Geschichte zu lenken. Nicht umgekehrt.

Ich wollte keine digitale Kamera. Ich wollte eine digitale Messsucherkamera. Das ist ein Unterschied.

Die Canon bleibt. Sie ist außergewöhnlich – für Konzerte, Sport, wenn Geschwindigkeit zählt und Serienbilder gefragt sind. Daran ändert sich nichts. Aber für den Alltag, für das Losgehen ohne Auftrag, wollte ich etwas anderes. Messsucher, Vollformat, die kleinen M-Objektive die ich kenne und liebe. Diese Art zu fotografieren wollte ich behalten – nur mit einem Werkzeug das in die Gegenwart gehört.

Eigentlich war die Entscheidung längst gefallen. Wenn Messsucher, dann Leica. Daran habe ich monatelang nicht gezweifelt. Ich habe Preise verglichen, M10, M11, M11-P. Die Bilder sind außergewöhnlich. Die Kameras sind es auch.

Dann stieß ich hinter der nächsten Kurve auf etwas womit ich nicht gerechnet hatte.

Credit: Pixxi

Pixxi - eine kleine Firma aus Frankreich. Die Pixii Max schien nicht gebaut worden zu sein, um möglichst viel zu können. Sondern um möglichst wenig zwischen mir und dem Fotografieren stehen zu lassen. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, meine vertrauten Objektive könnten einfach mitkommen.

Und kein Display.

Ich hätte erwartet, dass mich das stört. Stattdessen war es das erste was mich wirklich interessiert hat.

Ich bin Elektroniker. Mich begeistert Technik, wenn sie ein bestehendes Konzept neu denkt – nicht wenn sie es durch Komplexität ersetzt.

Ein Display verführt zur Kontrolle. Du drückst ab und schaust sofort nach. War es scharf, war die Belichtung richtig, gut, weiter. Aber in diesem Moment bist du nicht mehr im nächsten Bild. Du bist noch im letzten.

Und warum sollte ich auf eine Hilfe verzichten wenn sie das Fotografieren besser macht? Jeder, der einmal mit einem 90mm-Objektiv bei Offenblende fokussieren wollte, weiß wovon ich rede. Eine Sucherlupe, eingeblendete Rahmen, Unterstützung genau dort wo sie nötig ist – das ist kein Verrat am Messsucher. Das ist seine Weiterentwicklung.

Film hat mich zu viel Planung gezwungen. Ein Display verführt zu viel Kontrolle. Beides lenkt den Blick weg vom nächsten Moment.

Ich möchte nicht das analoge Denken verlieren. Ich möchte nur auf das Warten verzichten.

Heute liegt die Pixii Max irgendwo zwischen Frankreich und meiner Haustür.

Ich weiß nicht ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich habe sie noch nicht in der Hand gehabt, nicht im Alltag, nicht wenn das Licht schlecht ist. Vielleicht war es ein Fehler. Vielleicht ist sie genau das Werkzeug nach dem ich gesucht habe ohne es zu wissen.

Vielleicht ist das alles was ich suche: ein Werkzeug das wieder hinter dem verschwindet was ich sehe.

Aber vielleicht geht es am Ende gar nicht um eine Kamera. Vielleicht geht es nur darum, wieder häufiger loszugehen. Ohne Auftrag, ohne Plan. Mit der Hoffnung dass hinter der nächsten Kurve etwas wartet das es wert ist gesehen zu werden.

Vielleicht war das immer der Plan.